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WM-Interview mit Maria Riesch: "Eine Medaille ist schon mal gut"

sid am 03.02.2011 - 12:18 Uhr
© Alain GROSCLAUDE/AGENCE ZOOM
Als Mitfavoritin auf mehrere Medaillen geht Maria Riesch in die Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen. Im SID-Interview spricht die Doppel-Olympiasiegerin von 2010 und Titelverteidigerin im Slalom über die Goldmedaille, die ihr am liebsten wäre, das Verhältnis zu Lindsey Vonn und das skifahrerische Können ihres Verlobten Marcus Höfl.

Frage: "Maria Riesch, vor zwei Jahren bei der WM in Val d'Isere haben Sie mit Gold im Slalom ihre erste Medaille bei einem Großereignis gewonnen. War dieser Sieg richtungweisend in ihrer Karriere?"
Maria Riesch: "Ja, das war auf jeden Fall eines meiner Schlüsselerlebnisse, weil ich das erste Mal einem so riesengroßen Druck ausgesetzt war. Und dem dann auch standgehalten habe. Ich war nach dem ersten Durchgang nur Sechste. Der Hang war sehr schwierig und lag mir auch nicht so wirklich. Aber dann die Nerven zu behalten und so einen guten zweiten Durchgang zu fahren, das war für mich definitiv ein Schlüsselerlebnis, das mir viel Kraft, Selbstvertrauen und mentale Stärke für die folgenden Aufgaben gegeben hat."

Frage: "Dieser Erfolg hat Ihre weitere Karriere also maßgeblich beeinflusst?"
Maria Riesch: "Auf jeden Fall. Das ist auch das, was ich immer sage, wenn es mal bei anderen nicht so läuft. Man braucht einfach mal so ein Aha-Erlebnis, dann hat man einfach mehr Selbstvertrauen in solchen Situationen."

Frage: "Nun haben Sie sich den Ruf einer Stehauffrau erarbeitet. Sie kommen nach Verletzungen zurück, Sie kommen auch nach sportlichen Rückschlägen sehr schnell wieder zurück. Woher kommt diese Stärke?"
Maria Riesch: "Ich glaube, dass das eine Mischung aus zwei Dingen ist: Auf der einen Seite, der Wille zurückschlagen zu wollen. Auf der anderen Seite kann ich gut mit Niederlagen umgehen, auch wenn es natürlich weh tut. Es zeichnet eben einen Spitzenathleten aus, dass er das Ganze dann abhaken kann und am nächsten Tag wieder zurückkommt. Aber man muss jedes Mal wieder kämpfen und diese Rückschläge immer wieder wegstecken.

Frage: "Kann man sich auf eine WM gezielt vorbereiten?"
Maria Riesch: "Ich glaube nicht. Ich denke, es ist wichtig, in allen Disziplinen zu fahren und sich im Weltcup mit guten Ergebnissen Selbstvertrauen zu holen. Natürlich, wenn es so gut läuft, dann ist auch die Erwartungshaltung umso höher. Aber das ist mir lieber, als im Weltcup gar nichts zustande zu bringen und dann auf einen Überraschungscoup zu hoffen. Ich bin schon ganz froh, dass die Saison für mich so gut läuft und ich daher das Selbstvertrauen habe und dann auch hoffentlich bei der WM zuschlagen kann."



Frage: "Gibt es einen Heimvorteil bei der WM? Sie kennen die Strecken ja ganz gut."
Maria Riesch: "Mir hat leider die Zeit gefehlt, dort viel zu trainieren. Aber wir hatten ja im vergangenen Jahr das Weltcup-Finale dort und da lief es sehr gut. Ich habe die Abfahrt gewinnen können, ich war im Slalom und Riesenslalom Dritte und im Super-G habe ich nur um zwei Hundertstel das Podium verpasst. Das war eine sehr gute Generalprobe und gibt mir einfach ein gutes Gefühl für die WM."

Frage: "Sie treten in allen Disziplinen an. Sind Sie da im Nachteil gegenüber Läuferinnen, die Spezialistinnen in einer Disziplin sind?"
Maria Riesch: "Man hat auch den Vorteil, dass man mehrere Chancen hat. Der Nachteil ist, dass man sich nicht auf eine Disziplin so konsequent und konzentriert vorbereiten kann. In den technischen Disziplinen sind mehr Spezialistinnen, aber es ist so wie es ist. Ich habe das bisher immer ganz gut hinbekommen."

Frage: "Wo rechnen Sie sich die größten Chancen aus?"
Maria Riesch: "Dadurch, dass ich sowohl in der Abfahrt, als auch im Slalom heuer schon gewonnen habe, ist es wahrscheinlich die Kombi.

Frage: "Mit wie vielen Medaillen wären Sie denn zufrieden?"
Maria Riesch: "Wenn ich eine Medaille gewinne, dann ist das schon mal gut. Mit einer Goldmedaille wäre ich hoch zufrieden. Ich will mir die Ziele nicht zu hoch stecken. Es muss wirklich alles zusammenpassen, und es ist schwer genug, einmal Weltmeisterin zu werden."

Frage: "Haben Sie eine Präferenz?"
Maria Riesch: "Abfahrt" (lächelt).

Frage: "Diese Präferenz hat Lindsey Vonn wahrscheinlich auch?"
Maria Riesch: "Ich hatte zwar in der Abfahrt schon öfter das Nachsehen gegenüber Lindsey, aber ich habe sie im letzten Jahr fast um eine halbe Sekunde geschlagen auf der Kandahar. Außerdem habe ich ja in der laufenden Saison drei von fünf Abfahrten gewonnen. Ich weiß, dass sie unbedingt den WM-Titel verteidigen will. Und weil sie weiß, dass ich ihr etwas näher gekommen bin, wird sie da auch eine gewisse Nervosität haben und vielleicht kann ich das für mich nutzen."

Frage: "Die WM geht über zwei Wochen und findet in Ihrem Heimatort statt. Haben Sie die Befürchtung, dass Sie komplett vereinnahmt werden? Oder sperren Sie sich für 14 Tage ein?"
Maria Riesch: "Also, zu sehr wegsperren ist nicht das Richtige. Man muss den Kopf zwischen den Rennen ja auch wieder frei bekommen. Ich werde sicher sehr viel Zeit auf Skiern verbringen in den zwei Wochen, da ich mich auf jeden Wettbewerb vorbereiten muss. Es wird einiges an Training anstehen, auch zwischen den Rennen. Ansonsten versuche ich zu entspannen, auch zu regenerieren, weil es körperlich sicher eine harte Zeit wird. Aber einsperren brauche ich mich deswegen nicht."

Frage: "Einfach mal ein Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen machen fällt aber wohl flach, oder?"
Maria Riesch: "(lacht) Da muss ich mir eine gute Strecke aussuchen, wo wenig los ist. Irgendwo am Ortsrand vielleicht."

Frage: "Nach der WM wird dann mit Sicherheit der Gesamtweltcup zum Thema werden. Ist es fair zu sagen, die Chance auf den Gewinn des Gesamtweltcups war für Sie noch nie so groß wie in diesem Jahr?"
Maria Riesch: "Das sieht im Moment wirklich so aus. Bis auf einige wenige Rennen habe ich bislang eine super Saison. Und wenn es am Ende reicht, wäre es schön.

Frage: "Wieviel bedeutet der Gesamt-Weltcup in einem Olympia- oder WM-Jahr einem Skirennläufer?"
Maria Riesch: "Für mich ist in dieser Saison die WM das Wichtigste. Es ist eine Heim-WM, die Chance bekommen sowieso nicht viele. Und das möchte ich auf jeden Fall nutzen und hat für mich absolute Priorität. Aber natürlich ist seit Jahren auch der Gesamt-Weltcup ein Ziel von mir. Eigentlich seit ich das erste Mal Dritte war, das war in der Saison 2003/04. Das ist schon ziemlich lange her, dann war ich auch noch zweimal verletzt und in den letzten Jahren war ich dann immer Zweite oder Dritte. Klar, dass man dann auch mal gewinnen will. Es ist ja auch von der sportlichen Wertigkeit her das Beste, was man erreichen kann. Aber trotzdem haben Medaillen eine größere Bedeutung, auch von den Emotionen her. "

Frage: "Nach der Saison kommt dann auch die Hochzeit mit Ihrem Verlobten Marcus Höfl. Er ist mittlerweile bei nahezu jedem Rennen dabei, verfolgt das Geschehen im Zielraum. Wie gut fährt er eigentlich selbst Ski?"
Maria Riesch: "Wir waren leider erst einmal zusammen Ski fahren. Das war Ende der vergangenen Saison. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, einen privaten Skitag hinzubekommen, wenn das schon mit einem Trainingstag vor der WM in Garmisch so kompliziert ist. Aber das heben wir uns alles auf, für die Zeit nach meiner Karriere. Da werden wir das dann alles sehr genießen. Von dem einen Tag kann ich nur sagen: Er fährt sehr schnell, technisch gibt es noch ein gewisses Potenzial. Aber von der Geschwindigkeit her, das passt schon... (lacht)."

Frage: "Wie laufen eigentlich die Vorbereitungen auf die Hochzeit bei all dem Stress?"
Maria Riesch: "Das ist natürlich während einer Skisaison alles nicht so einfach. Aber das kriegen wir schon hin. Wir sind ja sehr talentiert im Zeit- und Planungsmanagement. Im Moment ist für mich natürlich der Sport das Wichtigste. Aber nach der Saison ist ja noch ein bisschen Zeit und man hat ja auch immer mal ein halbes Stündchen am Nachmittag Zeit. Da kann man ja auch etwas machen, sei es über Internet oder Telefon. Und deswegen glaube ich, dass wir das ganz gut hinbekommen."

Frage: "Konkrete Vorstellungen, wie das Brautkleid aussehen soll, gibt es aber schon, oder?"
Maria Riesch: "Das Brautkleid ist auf jeden Fall weiß. Das ist klar."
Frage
Der Winter ist so gut wie vorbei - wie war eure Skisaison 2011/2012?
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